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„Die Kunst steckt wahrhaftig in der Natur; wer heraus sie kann reißen, der hat sie!“

„Die Kunst steckt wahrhaftig in der Natur; wer sie heraus reißen kann, der hat sie!“ Ich war erstaunt und erfreut über die Art, wie die verschiedenen Formen und Bilder aus den Tomokos Gemälden herauszufließen schienen, als ich das erste Mal die Gelegenheit hatte, sie zu bewundern.

Bei näherem Hinsehen konnte ich das verborgene Leben innerhalb der anscheinend zufälligen Linien und ungewöhnlichen Kritzeleien entdecken.

Wie bei einem Tango, den man mit seinem Tanzpartner nach dem Modell komplexer Bewegungen auf der Tanzfläche vollführt … verstand ich die Bewegung der Formen der Künstlerin, die mit der Feder vielgestaltige Märchen und Träume auf die Leinwand zaubert.

Tomoko ist die japanische Künstlerin, die sich mit Tuschezeichnungen, Acrylaquarellen und Mischtechnik ausdrückt.

Ihre Technik scheint eine Mandala- oder besser noch Zendala-Kombination zu sein .. oder sogar eine Art Holzschnitt, die an das Mokuhanga-Verfahren erinnert, das zur Verzierung von Büchern, Anzeigen, Spielkarten und natürlich für Kunstdrucke aus der bürgerlichen und religiösen Welt benutzt wurde. Die Technik zeichnet sich durch markante Konturlinien, abstrakte Formen und verstrickte Zeichnungen ohne Tiefe oder Volumen aus, die sich manchmal mit den „Ukiyo-Bildern“ der fließenden Welt und der ironischen Transzendenz vermischt, die im Gegensatz zur Welt der irdischen Mondänität steht.

Diese Konzepte beziehen sich auf den buddhistischen Gedanken der sinnlichen Illusion und der Vergänglichkeit der Existenz.

Die Motive stammen aus der Natur und aus dem Leben, aber auch aus ihrer inneren Welt.

Ihre Leidenschaft zeigt sich in den Portraits von Blumen und Tieren oder wenn sie Bewegungen und Empfindungen festhält.

Die Natur drückt sich in einer Einheit von Symbolen, in einem Wirrwarr von Hieroglyphen aus, bei deren Interpretation und Übersetzung Tomoko zur Dekodiererin der Geheimsprache des Universums wird.

Ihre Zeichnungen und Formen fordern den Betrachter auf, seine Vorstellungskraft zu benutzen, was kennzeichnend für wahre Künstler ist. Tomoko geht aber weiter: Sie lässt etwas ungesagt, wie in den weißen Stellen von „Fern der Zeit“; und „Das Sonnentor“. Oder in den Details, in denen jeder Zentimeter dicht mit der Zeichnung bedeckt ist,

wodurch der Betrachter trotz langer Betrachtung nie alle feinen Zeichen der Zeichnung erfassen kann. Stellt dieser manchmal leer gebliebene Bereich vielleicht einen kleinen Winkel der Stille in ihrem inneren Kosmos dar?

In ihrer Kunst wird der geometrische Punkt zu einer unsichtbaren Einheit …

zum Ergebnis der ersten Berührung zwischen dem Werkzeug und der Oberfläche der Leinwand. Wird der Punkt, wenn er zu ihrer Sprache und ihrem künstlerischen Schreibzug gehört, aus materieller Sicht einer Null gleichgesetzt, dann verwandelt sich dieser Punkt in Stille … wie die Stille am Ende eines Satzes, sein vorübergehendes oder endgültiges Ende, auf das sofort die neue Verbindung einer Behauptung mit einer anderen folgt. Tomoko zieht diese neue Verbindung mit einer feinen Linie, mit einem vollen oder gestrichelten Kreis, mit einem dicht von Zeichen gefüllten Himmel, mit einem geometrisch verzierten Blumenfeld. Wie in „Stille“ mit bunten Vögeln, sind sie fast immer das Symbol einer Wiedergeburt, mit optischen Täuschungen der Bewegung. Wie die konzentrischen Wellen in „Quasar“, mit den großen, magischen Sonnen in „Talmud“, die am Ende einer von Träumenbefestigten Autobahn stehen, mit dem Mosaik aus farbigen Flecken in „Spaziergang im All“ und „Schöpfung und Licht“, wo Ordnung und Geometrie vorherrschen und die feinen Liniennetze die Schatten und präzisen, akribischen Bartlocken formen, die sich deutlich am Mind-boggling orientieren.

Dürer meint „Die Kunst steckt wahrhaftig in der Natur; wer sie heraus reisen kann, der hat sie!“ Und Tomoko hat sie, sie hat sie anhand einer hervorragenden Technik und einer emotionsreichen Komposition von Bildern, während wir sie uns stundenlang auf ihrer Leinwand vorstellen und durch Symbole, Zeichen, unendliche Linien und Punkte zusammensetzen, wie eine Penelope, die über eine unendliche Zeit an ihrem Webrahmen steht.

Maria Grazia Todaro

(QeenArtStudio)

Carrousel du Musèe du Louvre – Paris 2014

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