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„Verschlüsselten bildlichen Graffiti“

Die Kritik Spoleto-Gollini : Spoleto Arte Incontra Venezia

Die mühsamen und Geduld erfordernden „verschlüsselten bildlichen Graffiti”, die Tomoko Fait mit einem alphabetischen, sprachlichen und verschlüsselten persönlichen Stil von ausgesprochener Ausdruckskraft erschafft, greifen auf die tiefe Realität ihres Unbewussten, auf ihr Träumen mit offenen Augen, die Vorstellung und Erfindung dieser eklektischen Lösungen zurück, um nachzudenken und sich über die Welt Gedanken zu machen und dabei Antworten auf die grundlegenden Fragen der Existenz zu suchen und wirbelnde Kreisläufe und verworrene Labyrinthe zu errichten, in deren Mäandern man frei leben und fantasieren kann.

 

Die dargebotenen Formen, die der hervorragenden und lebhaften Fantasie entnommen wurden, stützen sich auf Sockel, die durch ein gewaltiges und kohärentes Projektdesign entstehen, wo sich das Material mit dem Gedanken in einer engen symbiotischen Verbindung verknüpft und Emotionen und fantasievolle, unwirkliche und mystische Erscheinungen erzeugt, die in eine Dimension universellen kosmischen Pantheismus eingefügt sind. Die heraufbeschworenen Projektionen verweisen unter anderem auf ihren existenziellen Weg in Bezug auf ihre orientalischen Ursprünge, die eine Hauptwurzel ihres Wesens und ihrer Art, Kunst zu konzipieren und Kunst zu erschaffen, darstellen.

 

Für Tomoko stellt das Bild einen Raum dar, in dem sich alles verknüpft und in der ästhetischen und visuellen Auswirkung zu einem Einzigen zusammenschließt: die Synthese des Bildes als formales Prinzip verwandelt sich zu einer einheitlichen und totalitären Struktur der Komposition, in eine homogene Einheit mit einem Verhältnis, das von der verschiedenartigen Aufeinanderfolge des Werkes, in einem vollendeten und fesselnden Szenarium hervorgehoben und erschaffen wird. Ihr Werk ist auf eine allmähliche Wiederaneignung der wesenseigenen Bedeutung der künstlerischen Materie ausgerichtet, die sich in der abstrakten und realen Darstellung von visuellen und informellen Konzepten in eine Denk- und Ausdruckskategorie der eigenen Subjektivität verwandelt. Die Künstlerin beabsichtigt, all jenes, was der Welt des Vorstellbaren entspringt, sichtbar zu machen und das, was „anderswo” lebt und sich nährt und von einer Atmosphäre von geheimnisvoller Verlockung umhüllt ist, in einem bestimmten und begrenzten Raum einzuschließen. Sie ist in der Lage, ihre Arbeit mit einer Art personalisierter Kommunikationstheorie in Einklang zu bringen, in der unterschiedliche Ausdrucksweisen auf ausgeglichene Weise ineinanderfließen, sich in einem „übergeordneten und absoluten ästhetischen Kriterium” verknüpfen und verknoten. Sie dimensioniert den Raum auf unwirkliche Weise: Eine dimensionale und vielschichtige, flüssige, fließende, dynamische Geometrie mit Bewegungen, die durch eine chromatische minimale, essenzielle und kontrollierte Variation, die dem Ganzen die Wahrnehmung eines fehlenden Raum-Zeit-Gefüges verleiht, hervorgerufen werden.

 

Die Farbschattierungen, die sich auf das Spiel zwischen Weiß/Schwarz und den entsprechenden Graukombinationen mit Licht- und Schattenreflexen gründen, tragen dazu bei, die Unstimmigkeiten zwischen vorgestelltem Bild und seiner Verwirklichung zu verringern und den Gedanken in eine visuelle Form zu übersetzen. Sie folgt den Kriterien und grundlegenden Prinzipien ihrer besonderen kommunikativen Ausdrucksweise, die sich durch ausgeprägte Schwankungen im syntaktischen Rhythmus auszeichnet und einen mimetischen Impuls des Gedankens rückgewährt, ihn der übernatürlichen Dimension entnimmt und in eine Perspektive der nutzbaren Rezeptivität und der Teilung mit dem Betrachter versetzt. Die im Bild eingeprägte Eingebung wird zu einem greifbaren Gedanken in einem ständig reversiblen evolutionären Prozess, in dem die rationale Ordnung durch die Dominanz der introspektiven Psychologie, die ihre eigene Form aufbaut, unterbrochen und umgestürzt wird.

 

Erklärung und Kommentar von: Elena Gollini

 

Venedig, September 2014. (Palazzo Rota-Ivancich)

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